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Newsletter
der Rosa Strippe e.V.
Ausgabe 7, 2012 vom 06. Juli 2012
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Wie geht’s
uns? - Lesben, Schwule und ihre Gesundheit
Barrieren im Gesundheitswesen,
Artikel von Gisela Wolf
Patientenberatung
Studie
"Schwule Gesundheit"
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Keine Krankheit, keine
Behandlung, so lautet kurz und knapp der Hinweis an Ärztinnen und Ärzte, die
noch immer davon sprechen, dass Homosexualität eine Störung sei. Seit 1992
jedoch ist Homosexualität als Erkrankung aus dem Verzeichnis der
Weltgesundheitsorganisation gestrichen worden. Lesben und Schwule brauchen
Ärztinnen und Ärzte, die die sexuelle Orientierung als Teil der
Persönlichkeit ansehen und die Homosexualität ihrer Patientinnen und
Patienten wertschätzen.
Zwei Beispiele, bei denen wir als Beratungsstelle gefragt sind: Im Rahmen des
Katholikentages verteilt der "Bund katholischer Ärzte" ein
Flugblatt, in dem es unter anderem darum geht, dass Homosexualität wieder
behandelbar werden solle. Zum anderen erhalten wir einen Bericht darüber,
dass eine Patientin von ihrer Ärztin mit diskriminierenden Äußerungen über
ihre lesbische Orientierung konfrontiert ist, als es um eine Beratung zum
Thema Kinderwunsch geht.
Was können Lesben und Schwule tun, damit sie nicht immer wieder Barrieren im
Gesundheitswesen begegnen, die eine gute medizinische Versorgung verhindern?
Zum einen hilft Information darüber, wo es Ärztinnen und Ärzte gibt, die sich
in Fort- und Weiterbildungen mit dem Thema sexuelle Orientierungen
beschäftigt haben und die Erfahrung mit lesbischen und schwulen Patientinnen
und Patienten haben. Wir haben Ärzte im Ruhrgebiet dazu befragt. Eine
entsprechende Liste ist bei uns abrufbar. Weitere Informationen erhalten
Interessierte unter der Telefonnummer (02 34) 194 46.
Um konkrete Anliegen kümmert sich auch die Patienten/-innenberatung
Westfalen-Lippe. Sie hilft bei individuellen Beschwerden und beim Kontakt
mit der Ärztekammer, wenn Lesben und Schwule konkrete diskriminierende
Erfahrungen machen und aufgrund ihrer sexuellen Orientierung nicht schulgemäß
behandelt werden. Die Beratungstelle ist unter der
Telefonnummer (02 51) 929 - 90 00 zu erreichen. Wir unterstützen Sie dabei,
Kontakt zur Beratungsstelle aufzunehmen.
Unter dem Titel Wie geht´s Euch? ruft die Deutsche AIDS-Hilfe e.V. zur
Teilnahme an einer Studie zur schwulen Gesundheit auf: "Körperliche
Erkrankungen und seelische Belastungen gehen oft Hand in Hand. Gerade schwule
und bisexuelle Männer sind häufig dem Druck ausgesetzt, sich an das als
normal Angesehene anzupassen. Für viele ist es eine Herausforderung, ihr Leben
und ihre Sexualität offen zu leben, ohne das Gefühl zu haben, sich dafür
rechtfertigen oder verstellen zu müssen", heißt es dazu in einer
Mitteilung der DAH.
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Kurzmeldungen
Interview
dbna
Schule der Vielfalt
LSVD e.V.
Mustertexte
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"Schule der
Vielfalt - Schule ohne Homophobie"
Das Online-Portal
"Du bist nicht allein" hat ein Interview über die Arbeit des
Projektes veröffentlicht. Es gibt einen Überblick darüber, wie das Projekt
seit Gründung im Jahr 2008 gearbeitet hat und bietet einen Ausblick auf die
kommenden Jahre. Die rot-grüne Landesregierung hat eine personelle und
finanzielle Förderung zugesagt, wir rechnen mit dem Zuwendungsbescheid in den
kommenden Wochen.
Eingetragene Lebenspartnerschaften und die Finanzämter - der Streit geht
weiter
Im April hatte der LSVD e.V. gemeldet: "Nun bejaht auch der
Bundesfinanzhof den Anspruch der Lebenspartner auf einstweiligen
Rechtsschutz".
In diesen Tagen verschicken die Finanzämter in NRW wieder die ersten
Bescheide an eingetragene Lebenspartner/-innen, die einen Antrag auf
Zusammenveranlagung gestellt hatten. Aufgrund der geltenden Rechtslage wird
diese Zusammenveranlagung abgelehnt. Die weiteren Schritte sind dann "Einspruch"
und "Antrag auf Aussetzung der Vollziehung".
Wir hatten in unserem Newsletter im März eine Befragung bei Bochumer
Steuerberatern/-innen, die sich mit eingetragenen Lebenspartnerschaften
auskennen, angekündigt. Insgesamt haben wir knapp 100 Fragebögen verschickt.
Nun ziehen wir die ernüchternde Bilanz, dass der Rücklauf weder quantitativ,
noch qualitativ unseren Vorstellungen entsprochen hat, so dass wir, anders
als bei unserer Befragung zu Ärzten/-innen und Psychotherapeuten/-innen daraus
keine Hinweise für unsere Ratsuchenden machen können.
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55+
Diversity im Alter
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55+ ist Titel eines offenen Abends zum Thema
"Diversity im Alter".
Wie leben Lesben und Schwule ab 55? Was heißt denn schon "Diversität im
Alter"? Gemeinsam mit Carolina Brauckmann und
Georg Roth aus Köln ("Immer dabei! Ältere Lesben und Schwule in
NRW") laden wir am kommenden Donnerstag,
dem 12.07. um 18.00 Uhr alle Interessierten in das Haus der Rosa Strippe e.V.
in der Kortumstraße 143 ein, mit uns zu diskutieren
und Perspektiven für lesbisches und schwules Älterwerden zu entwickeln.
Auch die Stadt Bochum entwickelt in diesem Jahr ein neues Konzept für die
Seniorinnen- und Seniorenarbeit, das ohne Diversity nicht mehr vorstellbar
ist.
Ziel des Abends soll es sein, die eigenen Bedarfe zu benennen, passende Angebote
zu entwerfen oder Ideen für neue Projekte zu entwickeln. Vor allem aber geht
es um das gegenseitige Kennenlernen und darum, Menschen zu finden, die sich
gemeinsam für die eigenen Belange als ältere Lesben und Schwule einsetzen.
Eine Anmeldung ist nicht erforderlich.
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Totgeschlagen – Nie mehr Totgeschwiegen! Erinnerungprojekt:
Tafel für Buchenwald
Presseankündigung
Dossier
Online-Spenden
für das Erinnerungsprojekt "Verfolgung von Schwulen im
Nationalsozialismus"
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Buchenwald, das größte deutsche KZ, liegt bei Weimar
in Thüringen und war Schreckensort und zugleich Endstation für mehrere
Zehntausend Menschen, darunter auch mehrere hundert Homosexuelle, die während
der NS-Zeit dorthin deportiert, dort gequält, durch Zwangsarbeit ausgebeutet
und ermordet wurden. Namentlich bekannt sind bisher ca. 600 homosexuelle
Männer, die dort, wie auch in allen anderen Konzentrationslagern des dritten
Reiches, in der Häftlingshierarchie zur untersten Stufe gehörten. Sie hatten
in den KZs somit die geringsten Überlebenschancen. Viele der Ermordeten in
Buchenwald wurden in den Öfen des Krematoriums verbrannt. Die Häftlinge
nannten es "durch den Kamin gehen". Während die Häftlingsbaracken
und die Wohngebäude der SS außerhalb des Häftlingslagers in der
Nachkriegszeit abgebrochen wurden, blieb das Krematoriumsgebäude mit Kamin
und den Originalöfen innerhalb des ehemaligen Häftlingslager erhalten und
kann heute besichtigt werden.
Wer ab Juli 2012 diesen Ort des Schreckens besucht, der wird im
Krematoriumsvorraum, durch den man zum Raum mit den Verbrennungsöfen gelangt,
eine neue Erinnerungstafel finden. Unter den vorhandenen etwa fünfzig zum
Teil Jahrzehnte alten Namenstafeln an zwei Wänden stellt die neue, 30 mal 40
Zentimeter große schwarze Metalltafel mit weißer Schrift und weißem Rand ein Novum
dar: Erstmals wird an diesem Ort die Verfolgung und Ermordung zweier Homosexueller
sichtbar gemacht: Erinnert wird an den Plakatmaler Friedrich Wessel, gebürtig
in Ückendorf (heute eine Stadtteil von
Gelsenkirchen), der bis zu seiner Verhaftung und Deportation in Wattenscheid,
heute ein Stadtteil von Bochum, seinen Lebensmittelpunkt hatte. Wessel wurde
in Buchenwald im Alter von nur 41 Jahren, weniger als drei Monaten nach
Beginn der Internierung, am 7. Mai 1942 angeblich auf der Flucht erschossen.
Der andere junge Mann auf der Namenstafel ist der Krankenpflegeschüler Julius
Schmidt, der in Elberfeld (heute Wuppertal) geboren wurde und in Velbert im städtischen
Krankenhaus arbeitete. Er wurde, ebenso wie Wessel als Homosexueller
verfolgt, ebenso nach dem berüchtigten Paragraphen 175 zunächst zu mehreren
Jahren Zuchthaus verurteilt und nach voller Verbüßung seiner Strafe in´s KZ
deportiert. Jedoch wurde er zunächst in die Konzentrationslager Sachsenhausen
bei Berlin, von dort nach Neuengamme bei Hamburg
und anschließend nach Dachau bei München verschleppt, bevor er im Juli 1941
von dort nach Buchenwald deportiert wurde. Hier starb er im Alter von nur 33
Jahren am 17. März 1942, als vermeintliche Todesursache wurde von den Tätern "akute
Herzschwäche" vermerkt, eine ebenso falsche wie beschönigende Formulierung
für einen unnatürlichen, von der SS beabsichtigten Tod.
Jürgen Wenke, ehrenamtlicher Mitarbeiter, erforschte
die Lebensgeschichten, an die die neue Tafel nun erinnert, die in der
kommenden Woche, am Mittwoch, dem
18.07. um 14.00 Uhr angebracht wird.
Die Arbeit des Erinnerungsprojektes ist auf Spenden angewiesen - die Tafel
konnte mit finanzieller Unterstützung der Firma MB Lasertechnik aus Lüneburg
realisiert werden.
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Termine
Kalender Juli 2012
Kalender August
2012
BO-YS
Online-Anmeldung Fernseh-Schnupperkurs
Sunrise
Option B bitte:
Einzelfahrschein
Zeche Bochum
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Unsere
Monatskalender für Juli und August finden Sie an gewohnter Stelle auf unserer Homepage. Besonders empfehlen möchten wir dieses
Mal:
Für Kurzentschlossene, die erst am Sonntag zum cologne pride, dem CSD in Köln fahren stehen
die Türen im Kulturzentrum Bahnhof-Langendreer
offen: BO-YS, der Partyklassiker
für Schwule und Freunde am 07.07. ab
22 Uhr und im August wieder am
04.08. ab 22 Uhr.
Einen Schnupperkurs Fernsehen für
junge Lesben und Schwule gibt’s in den Sommerferien vom 07. bis 09.08. täglich von 10 bis 16 Uhr im Dortmunder
Jugendzentrum Sunrise.
Das café
POTT, unser Abend für gays & friends öffnet wieder am Samstag, dem 21.07. ab 19.30 Uhr seine Pforten.
Den August starten wir mit einer Reihe "Sommerkino in der Rosa Strippe". Der Eintritt für die vier
Abende ist frei, deshalb können wir aus rechtlichen Gründen hier nicht den
genauen Titel nennen, sie erhalten diese aber unter der Telefonnummer (02 34)
194 46. So viel sei jedoch an dieser Stelle schon gesagt: Wir beginnen am Montag, dem 06.08. um 19.00 Uhr mit einem
Film vom Beginn der 2000er Jahre - er erzählt ein mitunter stürmisches
Coming-out im Sommer.
Den zweiten Film zeigen wir am Montag,
dem 13.08., ebenfalls um 19.00 Uhr. Es geht um die Dreiecksgeschichte
einer Frau zwischen Mann und Frau. Eine Komödie, die 2008 aus England zu uns
kam.
Und schon mal für den August vormerken: Am Samstag, dem 25.08. setzen wir unsere Reihe Bildung und Kultur fort. Ab 18.00 Uhr liest Miriam Kassner aus ihrem Buch "Option B bitte:
Einzelfahrschein" - ein Buch über das Leben im falschen Körper.
Und am Sonntag, dem 26.08. heißt
es ab 15.00 Uhr "ZECHEqueergestreift" - Open Air Party, 2 Areas,
Cocktailbar, Clubbing Zone in der Zeche Bochum, Prinz-Regent-Str. 50-60.
Mehr über beide Veranstaltungen in unserem nächsten Newsletter.
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Zu guter Letzt…
Rosa
Strippe e.V.
Kortumstraße 143
44787 Bochum
Büro (0234) 6404621
Beratung (0234) 19446
Fax (02 34) 516 57 67
info@rosastrippe.de
www.rosastrippe.de
Verantwortlich für diesen Newsletter:
Markus Chmielorz, Dipl.-Päd.
Wir bedanken uns für Ihr Interesse an unserem Newsletter. Wenn
Sie keine Nachrichten mehr von uns bekommen wollen, dann schicken Sie diese
Ausgabe des Newsletters an uns zurück - ergänzen Sie bitte in der
"Betreff:"-Zeile "ABMELDEN". Wir werden Sie dann aus
unserem Verteiler nehmen.
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Der CSD
wird politischer! Das könnte der erste Eindruck sein, wenn wir nach Köln,
Duisburg und Essen blicken.
"Ja, ich will - die eingetragene Lebenspartnerschaft vollständig
gleichstellen", ist das Motto des Cologne Pride
2012. Hatten doch Bündnis 90/GRÜNE im Rechtsausschuss des Bundestages einen
Gesetzesentwurf eingebracht, der die Ehe für Lesben und Schwule öffnen
sollte. Abgestimmt darüber haben die gewählten Abgeordneten des Deutschen
Bundestages am 28.06. Mit der Mehrheit der Koalitionsfraktionen von
CDU/CSU/FDP wurde der Entwurf abgelehnt. Im Web 2.0 tobt seitdem eine Debatte
darüber, wer denn an der CSD-Parade teilnehmen soll und wer nicht. "Keine
FDP beim CSD" und "Initiative für die Ächtung der FDP beim ColognePride" heißen die beiden Aktionen, die sich
darauf beziehen, dass der Antrag vor allem an der Blockade der FDP
gescheitert sei.
Internetblogs diskutieren die Teilnahme der Band "die Bandbreite"
am Duisburger CSD, der am 28.07. stattfinden wird, ihr werden homophobe Texte
ebenso vorgeworfen, wie das Eintreten für Verschwörungstheorien, etwa im Hinblick
auf AIDS oder das Attentat vom 11. September 2001.
"Erstmalig seit fast 20 Jahren soll es im Ruhrgebiet wieder eine
politische Kundgebung um Rahmen des Christopher Street Day geben", heißt
es vom CSD-Ruhr Orga Team. Die politische
Kundgebung am Sonntag, dem 04.08. trägt den Titel "Kumpelparade".
Politik, das ist öffentliches Handeln, und mit jedem CSD, fordern Lesben und
Schwule, dass sie selbstverständlich offen Leben können, ohne die Angst vor
Diskriminierung und Gewalt. Politische Auseinandersetzungen gehören zur
Vielfalt der Demokratie ebenso, wie sexuelle Orientierungen. Und
verantwortlich zu handeln heißt, tatsächlich Antworten geben zu können. Wir
erwarten diese Antworten von Politikerinnen und Politikern, von Künstlerinnen
und Künstlern: Wozu also gegen die Gleichstellung von Lebenspartnerschaften
und Ehen stimmen? Wozu also eine umstrittene Band einladen? Wir sind gespannt
auf die Antworten, die wir auf den Staßenfesten und
Paraden bekommen werden. Und dort, wo wir uns mit weniger Rechten zufrieden
geben sollen und wo Homophobie vertont wird, werden wir unserem Einspruch
Nachdruck verleihen.
Wir wünschen Ihnen und Euch eine vielfältige CSD-Saison und den lautstarken
Mut, für die eigenen Belange einzutreten - für das Team der Rosa Strippe e.V.
grüßt herzlich
Markus Chmielorz
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